Befragung zum Thema "Naturraumpotentiale der Gemeinde St. Stefan im Gailtal"

Fragebogen

Die Gemeinde St. Stefan im Gailtal verfügt über unterschiedliche Anziehungspunkte zum Thema Natur. Ein großes regionales Potential liegt im Bereich des Wassers. So sind z. B. das Feuchtbiotop Sieblerbad oder das Erlebnis- und Naturbad Vorderberg nur zwei der „Hot Spots“, die das Gebiet zu bieten hat. Unsere Gemeinde hat sich Gedanken gemacht, wie wir diese besser nützen könnten und haben daher eine Befragung durchgeführt.
Vordergründig wollten wir die Meinungen und Gedanken der Einwohner und entsprechender Experten zum Lebenselement Wasser kennenlernen, um uns ein umfassendes Bild der jetzigen Situation machen zu können. Es sollte nicht nur im Hinblick auf den Tourismus etwas unternommen werden, sondern ein großes Anliegen sind uns die Einwohner der Gemeinde.
Einerseits wollten wir die Ideen und Wünsche der Gemeindemitglieder eruieren, um das Gebiet ansprechender zu gestalten, andererseits dient es zur Bewusstseinsbildung. Die „natürlichen Sehenswürdigkeiten“ sollten beachtet und besser genützt werden. Daher liegen uns die Interessen und Gedanken der Mitbürger am Herzen und wie bekannt, können wir gemeinsam mehr bewirken als einer alleine.
Die Gemeinde erhoffte sich, aus den einzelnen Befragungen zu schöpfen um in näherer Zukunft die eine oder andere Idee zu verwirklichen.
Das Interview enthält Fragen zum Thema „Naturraumpotentiale der Gemeinde“, wobei ein Schwerpunkt auf den Wasserressourcen der Gemeinde bzw. der Region liegt.
Vordergründig wollten wir herausfinden, welche Eingebungen und Vorschläge die Gemeindemitbürger und Experten haben, wofür der erste Fragenblock diente. In zweiter Linie wurden Assoziationen zu Wasser, Wasserenergie, Trinkwasser usw. erfragt. Und letztlich ist es von Bedeutung darüber Bescheid zu wissen, welche Probleme und Schwierigkeiten bei einer Projektumsetzung auftreten könnten, wofür uns die letzten beiden Fragen dienten.
Aus den ca. 25 vorgeschlagenen Interviewpartnern haben sich 15 Interviews ergeben, was eine beträchtliche Zahl für unsere kleine Gemeinde ist. Diese wurden zum Teil via E-mail, und zum anderen Teil persönlich beantwortet. Rund 2/3 standen nach terminlicher Vereinbarung für eine persönliche Befragung zur Verfügung. Die Erhebung fand im Zeitraum Mai 2013 statt. 
 

Die Auswertung

Die Auswertung zeigte ein eindeutiges Interesse an der behandelten Thematik und laut den Befragten sollte bei der Umsetzung etwas Konkretes herauskommen. Zu beobachten ist, dass dem Großteil wirklich etwas daran liegt, dass dieses Projekt weiterverfolgt wird. Jedoch muss aus dem vorhandenem Material ausselektiert und entschieden werden, was in nächster Zeit umsetzbar ist.
Die Auswertung zeigt auf, dass teils brauchbare, teils unrealistische bzw. für das Projekt nicht realisierbare Ideen vorhanden sind.
Zuerst wurden einleitende Fragen gestellt, die ermitteln sollten, welche „natürlichen Sehenswürdigkeiten“ der Gemeinde den Interviewpartnern einfallen. In der Auswertung haben sich über 30 verschiedene Orte und Plätzchen aufgetan, wobei die bekanntesten von jedem genannt worden sind. Dazu zählen der Naturgarten Siebenbrünn, das Biotop Sieblerbad, die Vorderberger Klamm, die Gail und ihre Altarme.
Bei der Frage, welches Natur- bzw. Kulturjuwel der Gemeinde die Probanden ihren Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, wurde der Naturgarten Siebenbrünn am häufigsten genannt. Die Kirche St. Steben, inklusive des Wanderweges hinauf, steht meist an 1. Stelle, gefolgt vom Biotop Sieblerbad und anschließend der Vorderberger Klamm. Letztere ist derzeit nicht begehbar, was auf das Hochwasser im Jahre 2003 zurückzuführen ist und von allen bedauert wird. Jedoch wurde eine Vielzahl von besonderen Orten in der Region hervorgehoben, bei der unter den Wasservorkommnissen die Schwarze Lacke, der Webersee, die Grazi Mühle und speziell die Quellen in der Gemeinde genannt worden sind.
Eine Frage zielte auf die Kindheitserfahrungen der Einwohner ab, um einen Vergleich zur heutigen Situation machen zu können. Diese hat ergeben, dass Vorhandenes genutzt, kreativ gearbeitet und in der Natur gespielt wurde. Kinder heutzutage verbringen ihre Freizeit oft mit Computerspielen und vor dem Fernseher, was es damals nicht gegeben hat. Jedoch hat sich hinsichtlich der Aktivitäten viel getan. Es wurden Wanderwege eingerichtet, Radwege beschildert, Betätigungsmöglichkeiten im Freien sind in einer relativ großen Anzahl gegeben und das Kultur- und Gemeindezentrum als Veranstaltungsort stellt den Mittelpunkt des Gemeindegeschehens dar. Trotz der eher „kleinen“ Gemeinde mit rund 1600 Einwohnern finden regelmäßig Veranstaltungen und Feste statt, was von den Befragten als sehr positiv empfunden wird.
Zur Erfassung der Gedanken und Ideen für eine bessere Nutzung der Wasservorkommnisse und Möglichkeiten in der Gemeinde diente Frage 5.
Die Ideen, die daraus entstanden sind, sind sehr vielfältig. Angefangen von wirklich umsetzbaren Experimentiermöglichkeiten mit Kindern, über den Ausbau der Wanderwege, der Einrichtung von Wasserwanderwegen oder Wasserexperimentierwelten, bis hin zu dem derzeit nicht realisierbarem Wasserkraftwerk.
Um einen Einblick zu bekommen, werden im Folgenden Ideen und Gedanken der Interviewbefragten in Themenblöcken aufgelistet:

Trinkwasser/Wasserenergie:
• Trinkwasserkraftwerk errichten
• Wartungen und Instandhaltungszertifikate um die Wasserqualität zu schützen
• Trinkwasserbrunnen errichten und beschreiben (unter Berücksichtigung von heilendem, rechtsdrehendem Wasser)
• Gefahrengeschichte kompetent transportieren und dokumentieren
• Präventionen gegen Naturgewalten (Hochwasserschutz, Aufforstungen etc.)

Beschilderungen/Broschüren:
• Beschilderung und Hinweistafeln bei der Aichelburg, im Sieblerbad, im Vorderberger Bad, bei der Grazi Mühle, in Steben (mit der Sage von Steben), die Radwege und die Tafel in Siebenbrünn   erneuern: Tafeln mit geschichtlichem und geologischem Hintergrund versehen und für Kinder aufbereiten (zum Öffnen, Drehen…), Die Tafeln sollten regional abgestimmt sein
• Panoramatafel auf der Windische Höhe, in Steben oder auf der Gemeinde aufstellen
• Ortstafeln zur Orientierung für Wanderer (mit dem Gemeindewappen)
• Broschüre/Folder mit wichtigsten Fakten, Zusammenfassungen, Darstellungen…der wichtigsten natürlichen Sehenswürdigkeiten
• Wasser-Broschüre mit den Wasservorkommnissen der Gemeinde
• Führungen durch die Gemeinde

Ideen zum Bereich Wasser:
• Spezielle Wasser-Wanderkarte mit den Wasservorkommnissen der Gemeinde
• Installation eines Raumes für Wasserexperimente
• Wassererlebnispfad - Lehrpfade errichten unter Einbindung der Schuljugend
• Wasser- und Naturlehrpfad vom Bächlein bis zum Fluss, vom Teich bis zum See (nicht auf ein kleines Gebiet beschränkt) mit Informationen zu Natur- und Wasserkreislauf (für Kinder/Erwachsene - Wasserexperimentierstationen), mit Kunst-objekten zum Thema Wasser
• Grenzüberschreitender Wasserweg von der Gail zum Fluss Fella, von Vorderberg nach Uggowitz (Gefahr durch Wasser aufzeigen, notwendige Verbauungsmaßnahmen, historischen Hintergrund, Wasser als Landschaftsformer, Lebensraum usw.)
• Wassererlebniswelt (Experimente für Kinder – mit einfachem etwas machen)
• Wasserreich, Wasserwanderweg entlang des oder durch den Wildbach

 

Wanderungen:
• Wanderungen: gemeindeüberschreitend – REGIONAL – in Karte darstellen – Symbole dort anbringen mit einer Kurzbeschreibung
• Wandererlebniscamp
• Kirchen- und Schlösserwanderung
• Rundwanderweg: Sternförmig,   wobei man entweder die ganze Runde oder nur Teile davon gehen könnte, in Kooperation mit Betrieben
• Kulturrundweg mit Einbindung des Museums und der Künstler des „Nötscher Kreises“ 
• Rundweg: Kirche Maria im Graben – Künstler Kolig – Kirchenensemble – Vorderberger Klamm  – Canyoning – Kanu auf der Gail
• Rundweg: Köstendorf – Görtschach – Wittenig – Schinzengraben – Siebenbrünn
• Rundweg: Vorderberger Hochmoor (ausschildern und Stationen einrichten), Weg für Kutschenfahrten einrichten, Schaubilder beim Webersee, Rastplatz beim Obermoos, Vogelschauplatz, regionale Produkte an diversen Stationen anbieten – Einkehrschwung nach der Wanderung
• Rundweg: Siebenbrünn – Sieblerbad – Tratten – St. Stefan/Gail (entlang der Bäche)
• Kutschenfahrten: Besonderheiten aufzeigen, ausgewählte Inhalte vermitteln, in Zusammenarbeit mit dem GeoPark Karnische Region
• Themenwanderwege mit Erlebnisstationen: z.B. einladen zum Biohof „Klampferer“ oder in Gasthäuser, dort regionale Produkte verkaufen wie z.B. Gailtaler Schnaps Obstsäfte usw., Streuobst: Vermarktungsidee des „Pongarts“ (deutsch: Obstwiese) als regionale Marke
• Mühlen wieder in Betrieb nehmen – als geschäftliches und touristisches Potential

Aktivurlaube:
• Aktivurlaube für Touristen anbieten: Mountainbike Strecken, flying fox, Mountainbikes, E-Quad, Hochseilgarten, 3-D Parcours, Wanderwege mit 3-D Tieren, Bogenschießen, Hochseilgarten, Radtouren, Motorcross…
• Angebot für Kinder „Urlaubsgäste von morgen“: z.B. Canyoning für Kinder, in Bächen Dämme bauen
• E-Bike Verleih für Gäste und Radweg regional ausbauen in Verbindung mit der Bahn

Speziell auf bestimmte Plätze abgezielte Ideen:
• Auf der Wiese „Huma“ Sitzbänke aufstellen bzw. Rastplatz einrichten
• Die Vorderberger Klamm begehbar machen
• In Siebenbrünn: plakative Aufbereitung des Verlaufs des Baches, der in den See mündet, Familienevents planen und durchführen, Beobachtungsstationen einrichten, Besucherleitsystem mit Wanderführer anbieten
• Im Sieblerbad: Beschriftung mit Beschreibung und Informationen zur Natur anbringen, Grillstelle erneuern und instand halten, Bänke mit einer Sitzgruppe aufstellen, Parkmöglichkeiten einrichten, Errichtung einer Brücke in/über das Sieblerbad  für eine bessere Beobachtung von Fröschen, Molchen, Libellenlarven, Libellen usw., als Erholungsbad renaturieren, Indianerdorf mit Tipis anbieten, Imbiss, Kletterpark
• Im Sieblerbad und Siebenbrünn: naturverbunden bleiben durch Errichten von Verweilplätzen mit Baumstämmen als Bank und Tisch, Baumstammwippe, Klettergerüst, Holzskulpturen entlang der Wege (Trolle, Hexen, Tiere- „Hexenweg“)
• Fließverlangsamung der Gail durch Schaffung von „Badebuchten“ mit Sand und Steinen
•  „Marienfelsen“ bei der Familie Schaller in Matschiedl in eine Bachwanderung miteinbauen

Organisatorisches:
• Gründung eines Vereines für Orts- und Regionalentwicklung
• Gründung einer Wasserakademie, eines Vereins „Naturressourcenmanagement“
• Kooperation mit der Marktgemeinde Nötsch bzw. anderen Gemeinden
• Organisation eines jährlichen Künstlerwettbewerbs unter dem Motto „Wasserwelten“ bzw. Kindermalwettbewerb zum Thema „Wasser“
• Bauernmarkt, Weihnachtsbasar oder Hobbykünstlerausstellung
• Saisoneröffnungsfeiern veranstalten
• Wasserfest durchführen
• Betriebe in die Gemeinde holen um Arbeitsplätze zu schaffen
• St. Stefaner Wasserkrug anfertigen lassen

Die Entscheidung, was verwirklicht werden soll, wurde gemeinsam mit den Befragten herauskristallisiert und das weitere Vorgehen besprochen. Die einzelnen Ideen wurden in einer Informationsveranstaltung bzw. einem Workshop ausgearbeitet, der Ende Juni, am 28.06.2013 stattfand. Dazu fuhren wir gemeinsam nach Malta um das Wassererlebnis Fallbach zu besichtigen (http://www.maltatal.com/gemeinde_malta/wassererl_fallbach.html) und ins Pankratium Gmünd (http://www.pankratium.at/), damit die Probanden einen Einblick in die Thematik bekommen. Die TeilnehmerInnen erhielten Informationen aus erster Hand. Die Wassererlebnisgemeinde Malta wurde von Bgm. Mag. Klaus Rüscher und Elfriede Leitner, Leiterin der Wassererlebnis Malta GmbH, präsentiert und anschließend führte Manfred Tischitz, Projekt- und künstlerischer Leiter, durch das Pankratium Gmünd. Der Workshop wurde vor Ort durchgeführt und das weitere Vorhaben beschlossen.